Artikel mit Tag Argentinien
Gefährliche Stille
Donnerstag, 10. September 2009Komme ich gerade ins Büro und alles ist ruhig. Manchmal ist es so, denke ich und mache den Rechner an und warte. Mit einem mal sagt Horacio, ein Kollege, "Sebastian, wir haben nichts gegen Dich, auch nicht gegen Deutschland!"
Und plötzlich fiel der Groschen. Heute ist vorgezogener Volkstrauertag! Argentinien ist nach all den verlorenen Spielen gegen Bolivien, Brasilian und Paraguay (gestern!) auf Platz 5 in der Südamerikanischen Gruppe für die WM-Qualifikation. Die ersten vier sind dabei. Für den fünften gibt es noch ein Entscheidungsspiel.
So wie es aussieht, verabschiedet man sich hier so langsam vom WM-Gedanken. Allerdings sollte man sich lieber von Diego M. trennen. Der Herr Nationaltrainer bekommt sein Team nicht so recht zum zusammenspiel.
Fänd ich wirklich schade wenn sie nicht dabei wären. Würde hier zu gerne mit ihnen mitfiebern...
... um mich im Finale mit der Deutschlandfahne in der Hand gegen sie zu stellen ![]()
Immer mit der Ruhe
Mittwoch, 2. September 2009In den letzten Zügen liege ich mit meinem Kleinkrieg mit der hiesigen Einwanderungsbehörde. Zum einen brauche ich etliche Papiere um die "Residencia" zu beantragen. Ausserdem muss die Firma, die mich anstellt, in der Einwanderungsbehörde registriert sein.
Nun ist es mit den Behörden überall das gleiche. Irgendwann will man ihnen allen in den Arsch treten. Da gibt es kaum Unterschiede zwischen Deutschen und Argentiniern. In meiner Behörde verfolgen sie die "Wir sagen es ihm einfach später und sehen mal was passiert"-Taktik.
So kommt bei jedem Besuch in dem, vom Staat angemieteten Wohnhaus, in dem die Behörde ihr Büro hat, zu neuen Überraschungen. Jedes mal eine neue Information, ein neues Detail. Nun habe ich eigentlich schon alles zusammen, wollte aber doch noch mal hin um sicherzugehen...
Wie es aber so ist, wer viel fragt, bekommt viel Antwort! Nun hat sich herausgestellt, das die beiden in Deutschland teuer übersetzten Bescheinigungen nicht ihren Wünschen entsprechen.
Die internationale Geburtsurkunde ist auch hier international, so begnügen sie sich nun doch mit dem spanischen Index auf der Rückseite. Die Übersetzung ist also doch "al pedo", wie man hier so sagt.
Das Führungszeugniss der lieben Polizei in D-Land musste natürlich übersetz werden, hab ich auch schon getan. Nun kamen sie mit der neuen Info, das es durch einen argentinischen, beglaubigten Übersetzer gemacht werden muss. Ich habe mir schon die eine oder andere Rache ausgedacht. Ich werde es ihnen noch heimzahlen.
Die Krönung war aber eigentlich die Aussage, das die Registrierung des Arbeitgebers nur Formalität ist. Irgendwer offizielles der Firma muss nur die Eintragung vornehmen. Das wollten sie auch, haben sie sogar recht schnell gemacht. Nur mit dem Ergebniss, das man im Moment auf eine "Dokumentation" der Firma aus Buenos Aires wartet. Das dauert nur etwa 40 Tage. Dann können sie sich auch schon registrieren!
Beim schreiben schwanke ich wieder zwischen Wutanfall und völliger Apathie. Deutsche oder Argentinische Reaktion. Ich bin eigentlich schon ziemlich ruhig mit all dem aber manchmal raufe ich mir doch die Haare.
Aber wir werden sehen, vielleicht nicht Morgen, ganz bestimmt nicht nächste Woche aber es wird schon... irgendwann... man muss eben was geduldiger sein...
Unter Germanen
Mittwoch, 2. September 2009So, es ist jetzt drei Tage her und ich denke ich kann darürber schreiben. Vorher war es einfach noch zu nahe. Ich habe ersten Kontakt zum "Kulturverein" der Deutschen hier aufgenommen. Also eigentlich der Nachfahren deutscher Einwanderer. Er nennt sich hier "Germanos de la Comarca.
Den einen oder anderen Kontakt hatte ich vorher schon, wurde immer wieder dazu eingeladen doch mal zu einem der Treffen zu kommen. Bisher hatte ich mich allerdings immer davor gedrückt... aus gutem Grund.
Es war also so weit. Auf der Arbeit rannte ich einem Mitglied der Gruppe über den weg, denn Deutsche findet man hier wirklich überall. Er lud mich für den kommenden Sonntag ein, zum "Tee und Kuchen Treff". Ich hatte davon schon einmal gehört und schreckte vor der Idee von Tee, Kuchen und Tanz zurück... es klang alles zu sehr nach Sonntags bei Oma!
Nun kam Sonntag. Noch völlig geschafft vom Asado am Mittag, machte ich mich mit Marisol auf zu der Sporthalle wo das Kaffeekränzchen statt fand. In der Strasse geparkt, sah man auch schon Hinweise auf die Veranstaltung, der Wagen der Firma "Schmidt" war der erste, ein älterer Herr mit Hut und schwarz rot goldener Verzierung der nächste Hinweis.
Also gut, rein da. Etwa 40 Tischreihen mit je 40 Stühlen... fast komplett besetzt! Dazu noch ne Bühne mit der sich vorbereitenden Band drauf. Kaum in der Halle, wurden wir abgefangen, an einen Tisch gesetzt und mit Tee und Kuchen versorgt. Kuchen nach traditionellen Rezepten. Zwischen Apfelstrudel und Marmorkuchen alles zu haben. Die Welt ist nicht nur verrückt nach deutschem Bier und Brot, es sind unsere Kuchen die sie alle wollen!
So einige nette Begegnungen hatten wir dort in der Halle. Daran hat es nicht gefehlt. Und doch kam ich mir ziemlich verloren vor. Es war wie in einem Deutschland-Fanclub. Zwar hat sich meine Einstellung zu meinem "Vaterland" in meiner Zeit hier in Argentinien reichlich geändert aber es war etwas heftig!
Es ist zwar so, dass ich nun tatsächlich dazu stehen kann ein Deutscher zu sein und kann auch sagen das sich ein gewisser Nationalstolz bei mir gebildet hat. Dennoch muss ich zugeben das ich nun beim schreiben doch noch Haare auf den Zähnen bekomme. Auch wenn ich nie einer dieser "Antideutschen" unter den Autonomen war und sie immer für ne pubertäre Übertreibung des Antifaschismus in Deutschland gehalten habe, bin ich doch nie besonders stolz auf mein Land gewesen. Mich in schwarz rot gold zu schmücken wäre mir nie in den Sinn gekommen und tut es auch jetzt noch nicht.
Bevor es hier jetzt ausartet mit Grundlagn über Nationalstolz und mein blog noch in den falschen links auftaucht... Es ist einfach ein merkwürdiges gefühl auf Deutsche Kulturgemeinschaften im Ausland zu stossen.
Um das mal zu erklären, es ist gewöhnlich niemand dabei der tatsächlich aus Deutschland kommt. Sie stammen von Deutschen Auswanderern ab, die irgendwann vor, während oder nach dem zweiten Weltkrieg hierher kamen. Worauf man wohl am meisten stösst, sind die sogenannten Wolgadeutschen (oder deren Nachfahren). Da die meisten der Vorfahren Deutschland das letzte mal zwischen 18xx und 1938 gesehen haben, ist es auch eine Mischung dieser Epoche, die die Deutsche Kultur hier färbt. Nun schreit hier keiner mehr nach Kaiser oder Führer, es ist zum Glück gänzlich unpolitisch. Allerdings macht sich der kulturelle Unterschied zwischen ihnen (Hüter der Kultur des frühen 20. Jahrhunderts) und mir ("Pottkind" zwischen Thyssen Stahl und Hausbesetzerszene) doch ganz ordentlich bemerkbar.
Es ist einfach so, dass sie sehr bemüht sind, die Kultur die sie kennen aufrecht zu erhalten und zu pflegen. Keiner behauptet, dass sie noch zur heutigen Kultur in Deutschland passt. Ich hatte es auch nicht erwartet. Dennoch war ich nicht zu beglückt mit Musik und Tanz. Überwiegend Polka!!! Sie haben diesen Tanzworkshop, so trat eine Gruppe auf und bot "Volkstümliche" Tänze. Das Einstudierte haben sie richtig gut hinbekommen, gefallen hat es mir nun nicht aber technisch wunderbar! Alles in allem sah es schwer nach Schwarzwald ohne Kuckucksuhren aus. Irgendwie mussten sie sich auf einen Stil einigen und ich bin schon verdammt glücklich nicht eine Lederhose gesehen zu haben.
Wer mich kennt, dürfte sich vorstellen können wie verloren ich mich fühlte. Unglaubliche Situation! Nun war man allerdings so nett zu mir und bot mir auch alle mögliche Hilfe an, dass ich gerne Kontakt behalten würde. Eines habe ich mir aber geschworen, nie wieder werde ich bei Tee-, Kuchen- oder Tanzveranstaltungen auftauchen.
¡Ni en pedo! ... Nicht mal besoffen!
Wer jetzt darüber flucht, dass ich wieder keine Bilder gemacht habe... ich wollte nicht und ich konnte nicht!!! Um euch aber einen Einblick geben zu können verlinke ich mal die Seite der "Germanos de la Comarca". Die Bilder sind vom Jährlichen Fest der Einwanderer. Ist wohl eine Parade inbegriffen, ich war noch nicht dabei. Ganz unten gibt es links zu anderen Fotoseiten.
Raus in die weite Welt
Sonntag, 24. Mai 2009Da geht es morgen hin! Zumindest bis nach Chile, denn seit meinem letzten Trip nach Uruguay sind schon wieder fast acht Monate vergangen. Um mich, oder besser mein Motorrad weiterhin legal im Land zu behalten muß ich mal wieder raus, umdrehen und wieder rein.
Um es nicht zu langweilig zu machen, werde ich nicht einfach wieder umdrehen und wieder nach Hause fahren. Solange ich noch die nötige Zeit habe, dank fehlender Arbeit ist dass bei mir der Fall, werde ich die Tour etwas ausdehnen. So etwa zwei Wochen werden es werden.
Ich bin allerdings wieder herrlich Planlos! Werde morgen "früh" nach Westen aufbrechen und mich auf den Weg anch Bariloche machen. Die normale Route würde mich in einem weiten Bogen auf geteerten Straßen dorthin bringen. Der direkte Weg, geht quer durch die Patagonische Steppe, entlang einer Eisenbahnlinie. Tatsächlich ist es eine der wenigen Linien, die noch in Betrieb ist.
In Bariloche werde ich mich wohl mal ein oder zwei Tage umschauen, das letzte mal hatte ich nicht zu viel Zeit in der Stadt. Danach geht es rüber nach Chile... das war auch schon der ganze Plan! In Chile werde ich mich ein wenig nach Lust und Laube treiben lassen... Ich liebe das!
Natürlich hab ich die Kamera auch dabei und werde später von meiner Spätherbst- / Frühwintertour berichten.
Also denn, bis die Tage!
Die liebe Werbung
Montag, 30. März 2009Ich höre gerade Fußball im Radio... ist nicht so das ich jeden Spielzug verstehe, die sind einfach zu schnell! Das faszinierende ist die Ausnutzung einer jeden Pause für eine kurze Werbung.
Wird in Deutschland bei einem Einwurf oder Freistoß im Fernsehen mal eben Meister Propper eingeblendet, so wird hier schon bei einem längeren Pass losgelegt...
Der Live-Kommentator holt kurz luft und aus dem Studio hört man kurz "¡Quilmes... el sabor del encuentro!", der Ball landet oder wird angenommen und es geht ohne übergang weiter mit dem Fußball.
Wenn man dabei nicht perfekt zuhört, weiß man nicht mehr ob es um Bier oder Fußball geht. Der Unterschied ist ja glücklicherweise nicht zu groß.
Gestreikt wird noch immer
Montag, 30. März 2009Mein letzter Eintrag war tatsächlich mehr als ungerechtfertigt. Es ist ganz unglaublich mit welcher Ausdauer die Lehrer hier streiken. In Sachen Streik sollte man nicht vergessen, daß es solch schöne Erfindungen wie Streikkassen nicht von allen Gewerkschaften dieser Welt angewandt werden. Fehlendes Geld macht sich bekanntlich sehr bemerkbar in Bereitschaft und Ausdauer streikender Menschen!
Nun streiken hier übrigens nicht nur Lehrer, sondern alle, die durch die Lehrergewerkschaft vertreten werden. Das macht die Sache natürlich noch interessanter und hat auswirkungen bis zum Verwaltungspersonal in Krankenhäusern. Soweit gibt es damit aber keine ernsthaften Probleme.
Streik!
Freitag, 27. Februar 2009Seit einer Woche streiken hier die Lehrer... da Marisol für's Bildungssystem arbeitet, fällt Sie auch darunter. Habe also einen tieferen Einblick in die Sache...
Mir ist dabei aufgegangen, daß sie entweder ins Büro geht und nicht arbeitet oder zu Hause bleibt und nicht auf der Straße steht und streikt! Als ich gerade anfing zu argumentieren und so richtig in Schwung war (so etwa bei Alle macht den Räten!
), dachte ich an Deutschland und habe lieber die klappe gehalten.
Argentinier sind doch eher wie die Franzosen... wenn gestreikt wird, wird auch richtig gestreikt! In Buenos Aires ist alle zwei Wochen irgendetwas gesperrt oder einfach "außer betrieb"... mal die U-Bahn oder eine Hauptverbindungsstraße oder die Autobahn.
In Deutschland dagegen wird ja nur noch nach Absprache Sonntagnacht so gegen 3 Uhr in einer einsamen Sackgasse gestreikt.
Also besser mal klappe halten!
Entscheidungen
Mittwoch, 29. Oktober 2008Ich will es hier nicht verheimlichen, also raus mit der Story. Ich war etwas hin und her gerissen, was ich denn nun will. Das schöne Leben hier oder das einfache Leben in Deutschland. Was mich beeinflußt hat, war natürlich Marisol hier und meine alte Umgebung, Familie und Freunde in Mülheim und dem Rest von Deutschland.
Sierra de la Ventana
Sonntag, 19. Oktober 2008Der Weg nach Hause sollte mich eigentlich an der Küste entlang führen. Ich wollte unbedingt von der gewohnten Ruta 3 abkommen. Ich kann sie nicht mehr sehen! Es kam natürlich wieder anders als geplant.
Ausreise - Einreise
Sonntag, 19. Oktober 2008Nicht nur um meinen Hintern mal wieder auf dem Motorrad zu haben, sondern vielmehr um mein Motorrad legal im Land zu haben ging es mal wieder auf einen Trip ins Ausland, das erste mal nach Uruguay. Zuerst aber nach Buenos Aires, Dakar Motos, um meine Maschine nun endgültig lauffähig zu bekommen. In argentinischem Tempo von etwa eineinhalb Wochen schaffte ich es dann auch wieder aus der Stadt zu verschwinden. Auf direktem Weg nach Norden. Ich machte ich mich auf nach Entre Rios und Gualeguaychu.
Schwarz-Schillings Erben
Mittwoch, 1. Oktober 2008Der Postversand in Deutschland ist schon so ein Beweis deutscher Qualität, Zuverlässigkeit und absolut unfehlbarer Professionalität. So ist ein Teil meiner letzten Postlieferungen aus Deutschland natürlich angekommen und unterliegen jetzt der südamerikanischen Qualitätskontrolle. Was nun auch nicht besser ist, da ISO QM auch hier in Argentinien sein Unwesen treibt.
De Alta Gracia a la Habana
Montag, 15. September 2008Durch einen längeren Aufenthalt in einer Stadt, bekommt man irgendwann auch die Veranstaltungstermine der Einheimischen ab. Nun meine ich damit nicht den wöchentlichen Regentanz des Schamanen; es sind vielmehr Konzerte zum "Bob Marley Day" oder auch mal Buchvorstellungen, wie zum Beispiel jene hier...
Durch einen Zufall, einer Laune und einer Bekanntschaft von Javier bekamen wir Gelegenheit bei der Veranstaltung "De Alta Gracia a la Habana" dabei zu sein. Die Buchvorstellung von Alberto Granado und Carlos "Calica" Ferrer, Jugendfreunden von Ernesto "Che" Guevara!
Touristen!
Montag, 15. September 2008Eine der Sehenswürdigkeiten hier in Viedma hatte es uns angetan und hat sich dank der Bilder und der Geschichte an sich doch tatsächlich als eine nette Geschichte herausgestellt.
Eine Geschichte nicht nur über ein altes und einzigartiges Bauwerk, es ist auch ein witziges Beispiel für die Möglichkeiten und Vorteile "touristischer Dreistigkeit".
Viedma
Sonntag, 7. September 2008So... da schreibe ich nun endlich mal etwas über die Stadt in der ich jetzt lebe.
Hauptstadt der argentinischen Provinz Rio Negro ist sie. Es gibt also reichlich Verwaltungsbetrieb hier, so ziemlich jeder arbeitet für die "provincia" oder die "municipalidad" (Gemeinde), alles andere findet überwiegend woanders statt. Industrie gibt es so gut wie gar nicht aber im Umkreis gibt es reichlich Landwirtschaft.




