Gestreikt wird noch immer
Montag, 30. März 2009Mein letzter Eintrag war tatsächlich mehr als ungerechtfertigt. Es ist ganz unglaublich mit welcher Ausdauer die Lehrer hier streiken. In Sachen Streik sollte man nicht vergessen, daß es solch schöne Erfindungen wie Streikkassen nicht von allen Gewerkschaften dieser Welt angewandt werden. Fehlendes Geld macht sich bekanntlich sehr bemerkbar in Bereitschaft und Ausdauer streikender Menschen!
Nun streiken hier übrigens nicht nur Lehrer, sondern alle, die durch die Lehrergewerkschaft vertreten werden. Das macht die Sache natürlich noch interessanter und hat auswirkungen bis zum Verwaltungspersonal in Krankenhäusern. Soweit gibt es damit aber keine ernsthaften Probleme.
Probleme gibt es eher mit der Schule, die eigentlich vor vier Wochen mit dem neuen Schuljahr angefangen hat. In der Provinz Rio Negro, durch die schlechte Bezahlung am stärksten betroffen, findet noch immer kein vernünftiger Unterricht statt. Dieses Jahr wird auch nicht unbedingt damit gerechnet das sich die Lage stabilisiert.
Weitere Nebeneffekte sind uneinigkeiten zwischen Lehrern und ihren Mitmenschen. Es gibt Straßenverbindungen, die seit Tagen oder Wochen wegen den Strassensperren protestierender Lehrer unbenutzbar sind. Die anfängliche Unterstützung ist Verstimmung gewichen und hat sogar schon verletzte gefordert.
Das Elend hatte natürlich auch einen Anfang. Wie so oft im Leben geht es um Geld... das fehlt hier im Moment an allen Ecken und Enden. War die Lage vorher schon nicht rosig, hat es die internationale Finanzkrise nich besser gemacht. Aussage der hiesigen Provinz: "Wir haben kein Geld", auf der anderen Seite wollen sie mehr Geld. Ich befürchte beide haben recht aber das macht die Sache nicht einfacher!
Beobachtet habe ich ein wenig dieser Wut auf der letzten größeren Demonstration hier in Viedma. Mehr zufällig hatte ich meine Kamera dabei und reihte mich in die Fotografen ein. Meine Annahme, das eine Demonstration der Lehrergewerkschaft nur friedlich ablaufen kann hat sich nicht bestätigt.
Neben (eindeutig faulen) Eiern flogen auch Tomaten, Wasserflaschen, diverser Müll und es wurde Reizgas eingesetzt... Meine Erfahrung mit dem Gas beschränkte sich soweit auf die Deutsche Polizei, diesmal war es die andere Seite. Das erste mal nach all den Jahren damals in der Schule hat mich also ein Lehrer mit Gas attackiert!
Soweit ich es beobachten konnte, ist niemandem etwas passiert, die Polizei hat sich sogar sehr gut verhalten. Sie sind ruhig geblieben und auf der anderen Seite hatte man sich später auch wieder beruhigt. Die besprühten Wände an den Regierungsgebäuden waren zwei Stunden später bereits gestrichen und die ganze Aktion war halbwegs sinnlos.




