Deutschland 08/09
Mittwoch, 11. Februar 2009Nachdem ich mich über ein Jahr in Argentinien und Chile herumgetrieben habe, die Hälfte reisend, die andere Hälfte wohnend, ging es auf "Heimaturlaub" nach Deutschland.
Nachdem ich Marisol überzeugt
hatte mitzukommen, ging es auch schon an die erste Herausforderung.
Der spanische Reisepass war abgelaufen, die eine Hälfte der
argentinischen Dokumente ungültig, die andere Hälfte
gestohlen oder abgelaufen. Um die Geschichte kurz zu halten...
spanische und argentinische Dokumente wurden in Rekordzeit besorgt,
wir konnten also ohne Sorgen ohne deutsche Visabestimmungen
volleuropäisch einreisen.
Fast 40 Stunden Reise über Buenos Aires und Frankfurt nach Düsseldorf waren zwar nicht ohne, konnten uns aber nicht zu viel anhaben. So bei Landung in Frankfurt und dem ersten Blick unter die deutsche Wolkendecke wurde ich auch endgültig nervös! Die erste Begegnung mit deutschen Regeln hatten wir gleich nach dem Aussteigen aus dem Flieger in Frankfurt. Im “Smokers Club” um die Ecke, einer dieser angenehmen kleinen Glasboxen, waren wir fast in Versuchung, entgegen des Aufklebers, beidhändig zu rauchen! Nach einem weiteren Flug von etwa 30 Minuten waren wir auch schon in Düsseldorf. Durch ein Wunder kam auch all unser Gepäck an. Raus aus dem Sicherheitsbereich und ab in die Begrüßungszeremonie.
Die gleiche Besetzung, die mich schon verabschiedet hatte und noch zwei Freunde oben drauf begrüßten uns gleich am Flughafen. Mit Süßkram, getrocknetem Fleisch, einer Ladung Gauloises und König Pilsener wurden wir begrüßt!!
Nun soll das nicht heißen, daß ich mich über das mitgebrachte mehr gefreut habe als über das Empfangskomitee. Das Wiedersehen mit meinen Eltern und einigen meiner engsten Freunde war herrlich, auch der Empfang und der erste Kontakt mit Marisol war perfekt! Die ersten Sprachprobleme kamen zwar schon am Flughafen auf, dafür konnte ich mich schon auf meine Aufgabe der nächsten sechs Wochen vorbereiten... übersetzen.
Nach einem schönen ersten Abend führte ich Marisol in den ersten Kulturschock... Deutscher Weihnachtsmarkt! Nach einem kurzen Ausflug auf die Mülheimer Variante, sahen wir uns auch den richtigen Markt in Essen an. Dabei machte ich sie auch gleich süchtig nach dem ersten typisch deutschen Getränk... Glühwein! In den nächsten winterlichen Wochen gingen wir öfters mal beten am Glühweinaltar.
Nach einem gemütlichen und gelungenen Weihnachtsfest mit Familie und Freunden ging es zum Geburtstag und Silvester feiern in den Harz. Neben dem Wiedersehen mit Onkel, Tante und Familie in Bad Sachsa, hatten wir Gelegenheit Marisol den Winter zu zeigen. In Goslar war der Weihnachtsmarkt noch immer geöffnet. Die geschichtsträchtige Gegend faszinierte Marisol, es war also ein voller Erfolg! Schnee und Eis hatten wir zuerst auf dem Brocken später auch unten in den Städten.
Wie es Murphy so will, hätten wie für Schnee und Eis gar nicht erst weit fahren brauchen. Dank dem stärksten Winter in den letzten 10-15 Jahren hatten wir eine dicke und bleibende Schneedecke in Mülheim.
Im Park hinter der Siedlung, in der ich aufgewachsen bin, konnten wir also auch die Todesbahn ausprobieren. Wie üblich waren tagsüber die Kinder unterwegs, gegen Abend trafen sich dann die Älteren. So jagte ich Marisol die gute alte Rodelpiste hinterm Haus runter. Schneeballschlacht, Schneemann und rodeln, alles abgehakt!
Noch mehr Schnee und Eis hatten wir in den nächsten zwei Wochen. Auf dem Weg zum Römerpark in Xanten, ließen wir uns den Spaß nicht nehmen auch mal auf einem toten Rheinarm herumzulaufen.
Das versprochene Sightseeing für Marisol kam in der nächsten Zeit auch nicht zu kurz. natürlich war die Zeit dennoch viel zu knapp! Gesehen haben wir allerdings Mülheim und das Umland, die Einkaufszentren (als wenn es wichtig wäre), die Kölner Altstadt, den Kölner Dom, Düsseldorfer Altstadt, Medienhafen Düsseldorf, Zeche Zollverein in Essen,...
Wir waren recht beschäftigt!
Abgesehen vom Sightseeing, sollte ich in diesem Urlaub auch nicht zu kurz kommen. Das Wiedersehen mit alten Freunden und den guten alten Kneipen. Das eine oder andere Mal trafen wir uns hier und dort. Wir hatten Einladungen zum Essen, Bierproben, Verabredungen zum Schlittschuhlaufen, und und und...
Hier und da funkte ich zum Wochenende herum und brachte jedesmal einen beachtlichen Haufen Leute zusammen. In nur sechs Wochen wollte ich so viele Leute wie möglich treffen, warum also nicht alle zusammen in den kleinsten und staubigsten Bars die wir haben. So saßen wir auch am Abschlußabend zusammen in der Rathsstuben in Mülheim...
Ich hatte nicht unbedingt vor in dieser Nacht zu schlafen, Abfahrt zum Flughafen samstagmorgen um sechs Uhr mit Party am Vorabend. Allerdings wollte ich auch nicht die ganze Nacht feiern, doch es kam wiedermal anders. Noch am Abend wurde mir klar, daß ich aus der Nummer nicht herauskomme. Es kam zu den ersten bitteren Abschieden, die noch schwerer fielen als beim ersten Mal. Einer nach dem anderen machte sich vom Acker. Mein letztes Bier hatte ich schon auf einem vollen Tisch versteckt als mir Alex mit den Worten “Wo ist denn dein Bier?”, ein neues in die Hand drückte. “Verdammt! Ich muß noch in den Flieger einsteigen können!”. Als die letzten raus waren, gingen auch wir los. Wirt, Mike verabschiedete uns noch mit den Worten “Bis die Tage!”, so bin ich dann auch halb weinend, halb lachend aus meiner Stammkneipe raus. So gegen fünf waren wir wieder bei meinen Eltern, die letzten Sachen zusammen suchen, Kaffee, Kaffee, Kaffee... und los!
Über
den Abschied am Flughafen kann und will ich nicht schreiben. Meine
Eltern kommen eh hier in Patagonien vorbei, meinen Bruder bekomme ich
auch noch hier hin ![]()
Der Rückflug war weniger entspannend. Ich sollte eigentlich im Flugzeug tot umfallen und vor Buenos Aires nicht mehr aufwachen... war leider nicht so. Ich habe den Flug größtenteils mit dem Zählen von Wolken verbracht! Abends in Buenos Aires hatten wir mal wieder Glück im Zoll. Mit vier Koffern und dem einen oder anderen Kilo Übergewicht, gingen wir mit Unschuldsmienen auf den Zollbeamten zu. “Woher?”, “Deutschland”, “Geht durch!” - und ich hatte schon Dollars und Euros bereit!!
Im Hotel angekommen, gab es ein Begrüßungsbier... Quilmes, ich vermisse jetzt schon deutsches Bier. Am Tag darauf trafen wir uns mit Freunden von Marisols Familie in Buenos Aires. wir hatten einen faulen Tag in ihrer Wohnung und dachten gar nicht daran uns in der Stadt herum zu treiben. Abends wieder in den Bus um 12 Stunden später endgültig zu Hause in Viedma anzukommen.
Nach kurzer Begrüßung und Taxiservice ging es in die Wohnung. Wir waren wieder zu Hause. Abends das erste Willkommensasado bei Marisols Eltern. Das “wohin mit dem Zeug aus den Koffern – Chaos” hielt noch ein paar Tage an!
Danke an alle, die ich getroffen habe und Entschuldigung an jene die ich verpaßt habe!
Es war eine geile Zeit in Deutschland!




