Exporttour 2010
Sonntag, 7. Februar 2010Hi auch!
Bin wieder da. Ok, ich bin schon über zwei Wochen wieder da aber das ist ja kaum erwähnenswert.
Habe meine 8-Monatliche Motorradexportrunde hinter mir. Auch bekannt als "Die beste Ausrede mal ne kurze Motorradtour zu machen".
Was kann ich gross schreiben, ich bin nicht in der Laune einen Reisebericht zu verfassen, einer der Momente in denen ich so glücklich bin, niemandem versprochen zu haben ein Buch zu schreiben, bin ich einmal in Laune hält mich ja nichts mehr auf aber ich muss hier ohne Absinth und irgendwelche Pilze in Kreativstimmung kommen, das ist nicht immer einfach.
Gut, schreibe ich einfach in kürze was ich angestellt habe. Ich fuhr los....
... und begab mich auf die altbekannte Strecke zur nächsten Stadt. Ruta 3, zwei Kreisverkehre und vier Kurven auf 180km. Das macht Spass! Danach ging es auch wieder auf bekannte Pfade, auf der sogenannten "Linea Sur", also "Südlinie" quer durch die Provinz Rio Negro. Man nennt es hier auch Wüste. Kommt man bei dem Namen Wüste von dem üblichen Sandbild ab, kann das auch Stimmen. Es ist halt Patagonische Steppe, die nach Westen hin immer hügeliger wird, bis man in der Nähe von Bariloche auch von Andenausläufern sprechen kann. Bis man allerdings dort ankommt ist es recht langweilig und langwierig. Die ersten 400km bis "Los Menucos" ist es richtig öde, da haben sie nämlich schon geteert. Von dort aus geht es auf Schotter weiter und wird entsprechend lustiger.
Bei meinem letzten Trip bin ich auf dieser Strecke bis Bariloche gefahren und auch von dort zurückgekommen. Diesmal überkam mich beim Tanken in "Ingeniero Jacobacci", wo auch die Dakar-Rallye 2009 durchkam, die Idee der Alternativroute. So bog ich Südlich ab und machte mich über eine weitere, wesentlich schönere (und spassigere) Schotterpiste, auf nach El Maiten und El Bolson.
In Bolson, noch immer in der Touristensaison, wollte ich ein wenig Spass tanken und blieb gleich zwei Nächte. Nun waren die Menschen dort nicht unbedingt auf denselben Spass aus wie ich. Es wollte nicht passen. Alle Reisenden die ich traf, ob Motorradfahrer oder Backpacker, waren einfach nur verschlossen und alles andere als Kontaktfreudig. Die Saison 09/10 scheint andere Menschen angezogen zu haben als ich es gewohnt war. Aber gut, es bleibt ja noch mein Motorrad...
Am nächsten Tag weiter nach Süden. In Richtung Chilenischer Grenze lag noch der Nationalpark Los Alerces vor mir. Ein Grosser Park, der sich entlang mehrerer Seen erstreckt, auf Schotterpiste passierbar ist und mehrere Campingplätze bietet. Mit vollem Service, mit weniger Service und "mit ohne Service", letztere kann man dafür auch "mit ohne" Geld benutzen. An gute alte Zeiten erinnert, wollte ich mich hier auch wieder niederlassen. Nur hatte ich meinen alten Reisekumpel Chuck nicht mehr dabei um ihn wieder mit etwa drei Litern Wein abzufüllen. Gut, so brauchte ich mir am nächsten Morgen auch nicht mehr die Vorwürfe anzuhören, ich seih an allem Schuld.
Mal wieder zum Park. Ich konnte am Eingang das erste mal meine Aufenthaltsgenehmigung (Residencia) benutzen! Statt den 20$ (Pesos) für Ausländer, brauchte ich nur 8$ zu bezahlen. Wer sich übrigens fragt was das soll... Der vergünstigte Satz soll zum einen die Einheimischen entlasten, das sie auch in ihre eigenen Nationalparks können, zum anderen ist der Eintritt vergünstigt, da man hier mit einem Teil der Steuern schon die Nationalparks unterstützt. Ich finds gut! Der Aufenthalt im Park war recht ereignislos, ich hatte einen kurzen Fahrtag, entsprechend viel Zeit zwischen Zelt, Motorrad und See herumzulungern und die Sonne zu geniessen. Nach der abendlichen Pasta mit Tomaten-Gemüse-Rotwein-Sauce... und dem Rest vom Rotwein war ich auch bedient und machte mich lang.
Der nächste Morgen war wieder typisch für mich. Etwa drei Stunden Buch lesen und Kaffe trinken und 20 Minuten fürs zusammenpacken. Hatte wieder nur nen kurzen Tag. Nach etwa 50km in "Trevelin" angekommen, konnte ich der örtlichen Pizzeria nicht wiederstehen und fuhr die letzten paar Kilometer zur Grenze etwas überladen weiter. An der Grenze hatte ich, wie erwartet keine Probleme. Kunststück! Ich kenne die Dokumente mittlerweile besser als die Grenzer. Nach Grenzübergang hatte ich noch sage und schreibe 10km zu bewältigen um in "Futaleufu" anzukommen. Wurde aber tatsählich noch nass dabei. Hier in den Bergen kamen Sturm und Regen auf mich zu. Mit leichtem Sommergepäck weniger lustig aber ich war ja schon wo ich hin wollte. Was soll es also!?
Das einzig Nennenswerte in meinen 24 Stunden in Chile ist leider eher Negativ. Ich schreibe es allerdings eher dem Dorf zu als dem ganzen Land. Auf der Suche nach einer Fleischerei, kam ich in einen kleinen übelst stinkenden Laden und fragte nach Hackfleisch, ich bekam es auch in eine Tüte geklatscht. Entschied mich bei dem Anblick später im Hostel aber doch dazu es dahin zu werfen wo es besser aufgehoben ist... ganz weit weg! Der zweite Versuch, und ich hatte mich schon informiert wo ich am besten einkaufe, verlief nicht besser. Der Gestank versetzte mich eher nach Somalia als nach Chile, kaufte mir aber doch noch Fleisch, diesmal besser am Stück! Fast das gleiche Ergebnis. Nachdem ich mit dem Kochen fertig war, war ich von dem Gestank dermassen bedient, ich konnte nicht essen! Habe meinen, definitiv von argentinischem Fleisch verwöhnten, Gaumen danach mit Whisky beruhigt.
Nun gut, wir reden hier über eine Motorradtour nicht über den neuesten Einkaufsführer. Der Rückweg führte mich quer durch die Provinz Chubut. Die Idee war, bis zur Ostküste ausschliesslich auf Schotterpisten zu fahren. Wegen dem bescheidenen Wetter das mich überraschte, änderte ich die Pläne später.
Zuerst einmal war ich aber tatsächlich im Schotter. Knapp nördlich von Esquel geht von der Ruta 40 die Strasse nach Paso del Sapo ab. Die Strasse wird zur Zeit geteert und ist auf den ersten 10 bis 20 km auch schon fertig. Der Rest ist noch witzig. Zwischen einfacher Schotterpiste und versandeten Kurven findet man alles.
Anfangs befindet man sich in der gewöhnlichen patagonischen Steppe, die Stimmung ändert sich allerdings und es wird hügeliger und grüner. Die Strasse verläuft genau entlang dem Rio Chubut, so schlängelt sie sich durch einen weiten Canyon wie ich ihn hier nicht erwartet hätte. Die eher seltenen Möglichkeiten wirklich direkt an den Fluss heran zu kommen laden zum Baden und Wildcampen geradezu ein. Man will gar nicht mehr weiter!
Eine der bekannteren Steinformationen in diesem Canyon ist der "Piedra parada"... der stehende Stein. Wasser und Wind haben das Tal lange lange ausgehölt und haben den etwa 100m hohen (ehrlich gesagt keine Ahnung wie hoch das Ding war) Felsbrocken in der Mitte des Tals stehen lassen. Bei Sonnenauf- oder untergang ein wunderbarer Anblick. Der Sonnenuntergang war mir auch vergönnt. Nur den Sonnenaufgang habe ich nach einer einsamen und gemütlichen Nacht am Fluss nicht erleben dürfen.
Schon am Abend war es ordentlich windig, Patagonien eben. Nachts pfiff mir der Wind allerdings dermassen ums Zelt, das ich drinnen lag und den alten Baum neben meinem Zelt knarren und ächzen hörte. Da liegend, dachte ich darüber nach ob es wirklich eine so gute Idee war das Zelt gleich unter den grössten Ast des Baumes zu stellen. Ich beruhigte mich dann mit dem Gedanken, das er immerhin wenigstens 30cm von meinem Kopf entfernt einschlagen würde. Die Nacht überlebt, nur sah der Morgen leider eher Wolkenverhangen aus. Hier und da eine kleine Lücke und das war es auch.
Ich liess mich zuerst nicht aus der Ruhe bringen und verbrachte die erste Stunde mit Kaffee und Buch. Der geplante Sprung in den Fluss viel temperaturbedingt aus! Ich fing dann aber doch an, mir Gedanken um das Wetter zu machen, kroch in das Zelt und räumte alles zusammen. Etwa 10 Minuten später kam ich wieder heraus und sah zu beiden Seiten dichte Regenvorhänge auf mich zukommen... Notstart! Ölkontrolle, Kette, ... was ist das?
Den Rest des Canyons, vorbei an dem Ort Paso del Sapo, bis hinunter zur geteerten Ruta bei Paso de los Indios kam mir mehr und mehr vor wie eine Mischung aus Bryce Canyon und Canyonlands in den USA. Wunderbare Landschaft auf diesen 170km. Ich weigerte mich allerdings die Kamera auszupacken, ich hatte eisige Finger.
Auf der Hauptstrasse nach Osten geht die Landschaft entsprechend weiter. Die Strasse zog sich durch eine rot-orange Felsenlandschaft und wurde nach Osten hin immer langweiliger. Wetterbedingt entschloss ich mich dazu einfach an einem Tag bis zur Ostküste durchzuschiessen. Enttäuscht bis angeekelt von Trelew, einer der hässlichsten Städte im Land, entschied ich mich kurz vor Sonnenuntergang die letzten 70km nach Puerto Madryn auch noch hinter mich zu bringen.
Madryn in Kurzfassung... Miguel besucht, um 22h angefangen Pollo al disco zu kochen, um 2h noch in ne Disco, gegen 5h mit irgendwelchen Leuten losgezogen und so gegen 9h wieder bei Miguel angekommen. Die Nachwirkungen dieser Nacht bewegten mich dazu die 500km nach Viedma doch besser auf Teer hinter mich zu bringen. So umging ich doch schon wieder meinen geliebten "Camino de la costa". Dank der schnellen Heimfahrt kam ich einen Tag früher zu Hause an als ich dachte und hatte noch einen Tag zum ausruhen. Den hatte ich auch bitter nötig!




