Von selektiver Wahrnehmung und dem Theorem zur Existenz Gottes
Mittwoch, 30. Dezember 2009In nun fünf Monaten in dieser Firma, ich nenne sie mal nicht beim Namen, machte ich mir schon so einige Gedanken. Ist nicht so das ich hier zuviel Zeit hätte, mein vegetatives Nervensystem zum Beispiel arbeitet stets auf hochtouren. Die höheren Gehirnfunktionen werden durch regelmässige Kaffeeinfusionen gewährleistet, so wird das kribbeln im Kopf immer wieder zurückgedrängt.
In meinen Anstrengungen, das hier erlebte in Worte zu fassen, schrieb ich schon so einige Berichte, löschte sie aber wieder. Es war zu... unkreativ. Wie auch immer ich es beschreiben wollte, es las sich wie die Bedienungsanleitung eines Irrenhauses. Mit diesem Wahnsinn ist nun schluss.
So also mal zu den Fakten...
Theoretisch gesehen regelt diese Firma die Wasserversorgung einer ganzen Provinz von etwa der halben Grösse Deutschlands. Praktisch gesehen tut sie es nicht! Die Zuständigkeiten wurden im laufe der Jahre so oft verstaatlicht und wieder privatisiert, dass man sich jeden Morgen aufs neue fragt ob man nun Salutiert oder sich doch die Hand schüttelt. Zum heutigen Zeitpunkt hat sich ein Gleichgewicht eingependelt, die Firma ist nun halbstaatlich. Der aufkeimende Funke der Hoffnung kommt allerdings nicht weit. Die Firma ist einer übergeordneten Wasserbehörde unterstellt. Das ist zwar soweit nicht verwunderlich, irgendwer muss es ja regeln. Nur hat man zwischen Firma und Behörde mittlerweile keine Ahnung mehr, wer nun für was und warum zuständig ist.
Da ich mich in der ersten Zeit recht gut zu beschäftigen wusste, lebte ich in einer selektiven Realität. Dinge geschahen, die ich entweder über sprachliche oder systematische Anpassungen geistig ausklammern konnte. Mein zentrales Nervensystem verstand sich lange darauf, teile meines Gehirns ausser kraft zu setzen und mich der Situation so hinzugeben wie sie war.
Die beschäftigungsreiche Zeit am Anfang verbrachte ich mit dem Aufräumen der Daten auf dem Computer und des 4-fachen Backups auf dem Firmen-"Server". Mein Vorgänger, ein qualifizierter Ingenieur, verstand sich gut auf fraktale Datenspeichersysteme und der vollstrukturierung des Nichts. So war ich in der Lage den Informationsreichtum von gefühlten 30 Gigabyte (ohne Backups) auf 30 Megabyte zu komprimieren. Erste Karriereideen kamen dabei auf.
Dank meiner ersten Erfahrung mit der Erstellung von Kostenvoranschlägen für Lufteinblasanlagen für Klärgruben... für ... ach nein. Gut, nach Recherche aller nötigen Details, Lieferanten und Einzelpreise wagte ich mich nach Arbeitslöhnen zu fragen. Nicht mal für mich, nur für den Kostenvoranschlag. Das es kein anderer im Büro wusste war keine Überraschung. Als aber mein telefonisch befragter Vorgänger es schaffte, sogar das Telefon mit den Schultern zucken zu lassen, schrieb ich einfach irgendetwas. Es fiel nie auf. Wie auch? Drei Tage später wurde das gesamte Projekt von der Behörde gekippt. Das Datum auf der Notiz brachte mich meiner tatsächlichen Realität wieder ein Stück näher. Das Projekt war schon geändert worden, noch bevor ich mit dem Kostenvoranschlag anfing.
Die nächsten Wochen wollte ich mich nun mit sinnvollen Dingen beschäftigen. Ich erstellte das am besten gestaltete, multifunktionellste und vor allem teuerste Excelvorlage der ganzen Republik. Ich habe Sie bis zum heutigen Tag nicht einmal mehr benutzt.
Die restlichen drei Monate, bis Heute, verliefen ruhig. Man versuchte verschiedene Probleme zu lösen um zwei Jahre alte Projekte in den letzten Tagen mal eben fertig zu stellen...
Auszug Wikipedia:
Unter Problemlösen versteht man die Tätigkeit eines intelligenten Wesens, für ein gestelltes Problem - meist durch bewusste Denkprozesse - eine Lösung zu entwickeln oder anzuwenden.
... So harrte man der Dinge die da kommen.
Die Situation treibt mich nicht nur dazu das Internet auf Papier abzuschreiben, in den wachen Momenten meines Großhirns denke ich auch über dieses und jenes nach. Sogar ich ungläubiger musste nach Betrachtung einiger Fakten die Existenz eines höheren Wesens einräumen.
Was auch immer passierte, niemand starb wegen versagender Wasserversorgung.
1. Axiom:
Abbrennende Produktionsanlagen verursachten lediglich nicht nenneswerte Todesfälle.
2. Axiom:
Das Argentinische Volk verbrannte bisher nicht in einem Flammenmeer, verursacht durch Fehlfunktionen oder Kurzschlüsse in ihrer Energieversorgung.
3. Axiom:




