Bin fast da!
Montag, 21. September 2009Nach lächerlichen zweieinhalb Monaten Arbeit ohne Bezahlung bin ich fast fertig mit dem Papierkram.
Meinen eigenen Papierkram hatte ich ja schon komplett zusammen, im Endspurt fehlte mir dann doch noch eine Übersetzung. In der Zwischenzeit mussten wir noch auf ein paar gestempelte Blätter Papier aus Buenos Aires warten, die Dokumentation der Firma. Nachdem der Firmenanwalt sagte, er hätte alles erledigt, fiel zwei Wochen später auch schon auf, das er nichts getan hatte. So wurde es endgültig in Angriff genommen und dauerte auch nur die angekündigten 40 Tage.
Da sind wir nun. Mein Vorvertrag wurde gerade eben unterschrieben. Morgen geht es zur Migrationsbehörde. Die Aufenthaltsgenehmigung beantragen. Die Tatsache, das mein Touristenvisum durch das ganze Chaos abgelaufen ist, könnte morgen noch mal witzig werden. Ich werde mich da aber noch durchbeissen.
Danach muss ich nur noch mit zwei Zeugen meine Anschrift hier in Argentinien bestätigen lassen, danach noch zur Sozialversicherung, die Nummer beantragen, mit der Nummer kann ich dann zur Steuerbehörde rennen und meine Steuernummer abholen...
Klingt irgendwie ganz einfach wenn ich das jetzt so schreibe. Fühle mich allerdings wieder wie Asterix auf Dokumentenjagd, bin auch kurz vor dem Wechsel zur Obelixtaktik... wir werden sehen wie es läuft.
Da bin ich!
Sonntag, 13. September 2009Gefährliche Stille
Donnerstag, 10. September 2009Komme ich gerade ins Büro und alles ist ruhig. Manchmal ist es so, denke ich und mache den Rechner an und warte. Mit einem mal sagt Horacio, ein Kollege, "Sebastian, wir haben nichts gegen Dich, auch nicht gegen Deutschland!"
Und plötzlich fiel der Groschen. Heute ist vorgezogener Volkstrauertag! Argentinien ist nach all den verlorenen Spielen gegen Bolivien, Brasilian und Paraguay (gestern!) auf Platz 5 in der Südamerikanischen Gruppe für die WM-Qualifikation. Die ersten vier sind dabei. Für den fünften gibt es noch ein Entscheidungsspiel.
So wie es aussieht, verabschiedet man sich hier so langsam vom WM-Gedanken. Allerdings sollte man sich lieber von Diego M. trennen. Der Herr Nationaltrainer bekommt sein Team nicht so recht zum zusammenspiel.
Fänd ich wirklich schade wenn sie nicht dabei wären. Würde hier zu gerne mit ihnen mitfiebern...
... um mich im Finale mit der Deutschlandfahne in der Hand gegen sie zu stellen ![]()
Neuzugang
Montag, 7. September 2009Nun sind wir um einen Hund reicher als noch Gestern...
OK, ist der einzige Hund aber immerhin einer mehr. Um genau zu sein... eine mehr. Sabina (Nichts zu tun mit dem deutschen Sabine) ist gestern Abend von Mari's Bekannten zu uns umgezogen, hat schon den Fliesenboden mehrfach eingeweiht und sitzt ihre Bewährungszeit bei den Katzen ab. Die Katzen sind bisher nicht zu begeistert und beäugen sie eher Misstrauisch..... aber das wird schon noch.
Für den nächsten Abstatz bitte ich diejenigen um Nachsicht, die sich mit Hunden auskennen und auch die deutschen Tierschutzrechte kennen. Hier in Argentinien ist wie immer alles ein wenig anders. Ich hatte nicht mal daran gedacht und stand gestern mit Hund unterm Arm in der Wohnung und ging die Zahlen durch...
Gerade einmal sechseinhalb Wochen alt ist sie nun zu uns gekommen. Zugegeben, ist etwas früh. Da sie auch nicht eine Impfung bekommen hat, stehen wir heute so oder so noch beim Tierarzt auf der Matte und lassen sie gründlich untersuchen. Ich habe trotz allem ein gutes Gefühl mit der Sache! Sie lag heute morgen schon schlafend auf meinen Füssen, lässt sich also auch vom schlimmsten nicht abschrecken.
Hier nun die ersten Schnappschüsse meines 3,5kg Border-Collie Wollknäuels
Immer mit der Ruhe
Mittwoch, 2. September 2009In den letzten Zügen liege ich mit meinem Kleinkrieg mit der hiesigen Einwanderungsbehörde. Zum einen brauche ich etliche Papiere um die "Residencia" zu beantragen. Ausserdem muss die Firma, die mich anstellt, in der Einwanderungsbehörde registriert sein.
Nun ist es mit den Behörden überall das gleiche. Irgendwann will man ihnen allen in den Arsch treten. Da gibt es kaum Unterschiede zwischen Deutschen und Argentiniern. In meiner Behörde verfolgen sie die "Wir sagen es ihm einfach später und sehen mal was passiert"-Taktik.
So kommt bei jedem Besuch in dem, vom Staat angemieteten Wohnhaus, in dem die Behörde ihr Büro hat, zu neuen Überraschungen. Jedes mal eine neue Information, ein neues Detail. Nun habe ich eigentlich schon alles zusammen, wollte aber doch noch mal hin um sicherzugehen...
Wie es aber so ist, wer viel fragt, bekommt viel Antwort! Nun hat sich herausgestellt, das die beiden in Deutschland teuer übersetzten Bescheinigungen nicht ihren Wünschen entsprechen.
Die internationale Geburtsurkunde ist auch hier international, so begnügen sie sich nun doch mit dem spanischen Index auf der Rückseite. Die Übersetzung ist also doch "al pedo", wie man hier so sagt.
Das Führungszeugniss der lieben Polizei in D-Land musste natürlich übersetz werden, hab ich auch schon getan. Nun kamen sie mit der neuen Info, das es durch einen argentinischen, beglaubigten Übersetzer gemacht werden muss. Ich habe mir schon die eine oder andere Rache ausgedacht. Ich werde es ihnen noch heimzahlen.
Die Krönung war aber eigentlich die Aussage, das die Registrierung des Arbeitgebers nur Formalität ist. Irgendwer offizielles der Firma muss nur die Eintragung vornehmen. Das wollten sie auch, haben sie sogar recht schnell gemacht. Nur mit dem Ergebniss, das man im Moment auf eine "Dokumentation" der Firma aus Buenos Aires wartet. Das dauert nur etwa 40 Tage. Dann können sie sich auch schon registrieren!
Beim schreiben schwanke ich wieder zwischen Wutanfall und völliger Apathie. Deutsche oder Argentinische Reaktion. Ich bin eigentlich schon ziemlich ruhig mit all dem aber manchmal raufe ich mir doch die Haare.
Aber wir werden sehen, vielleicht nicht Morgen, ganz bestimmt nicht nächste Woche aber es wird schon... irgendwann... man muss eben was geduldiger sein...
Unter Germanen
Mittwoch, 2. September 2009So, es ist jetzt drei Tage her und ich denke ich kann darürber schreiben. Vorher war es einfach noch zu nahe. Ich habe ersten Kontakt zum "Kulturverein" der Deutschen hier aufgenommen. Also eigentlich der Nachfahren deutscher Einwanderer. Er nennt sich hier "Germanos de la Comarca.
Den einen oder anderen Kontakt hatte ich vorher schon, wurde immer wieder dazu eingeladen doch mal zu einem der Treffen zu kommen. Bisher hatte ich mich allerdings immer davor gedrückt... aus gutem Grund.
Es war also so weit. Auf der Arbeit rannte ich einem Mitglied der Gruppe über den weg, denn Deutsche findet man hier wirklich überall. Er lud mich für den kommenden Sonntag ein, zum "Tee und Kuchen Treff". Ich hatte davon schon einmal gehört und schreckte vor der Idee von Tee, Kuchen und Tanz zurück... es klang alles zu sehr nach Sonntags bei Oma!
Nun kam Sonntag. Noch völlig geschafft vom Asado am Mittag, machte ich mich mit Marisol auf zu der Sporthalle wo das Kaffeekränzchen statt fand. In der Strasse geparkt, sah man auch schon Hinweise auf die Veranstaltung, der Wagen der Firma "Schmidt" war der erste, ein älterer Herr mit Hut und schwarz rot goldener Verzierung der nächste Hinweis.
Also gut, rein da. Etwa 40 Tischreihen mit je 40 Stühlen... fast komplett besetzt! Dazu noch ne Bühne mit der sich vorbereitenden Band drauf. Kaum in der Halle, wurden wir abgefangen, an einen Tisch gesetzt und mit Tee und Kuchen versorgt. Kuchen nach traditionellen Rezepten. Zwischen Apfelstrudel und Marmorkuchen alles zu haben. Die Welt ist nicht nur verrückt nach deutschem Bier und Brot, es sind unsere Kuchen die sie alle wollen!
So einige nette Begegnungen hatten wir dort in der Halle. Daran hat es nicht gefehlt. Und doch kam ich mir ziemlich verloren vor. Es war wie in einem Deutschland-Fanclub. Zwar hat sich meine Einstellung zu meinem "Vaterland" in meiner Zeit hier in Argentinien reichlich geändert aber es war etwas heftig!
Es ist zwar so, dass ich nun tatsächlich dazu stehen kann ein Deutscher zu sein und kann auch sagen das sich ein gewisser Nationalstolz bei mir gebildet hat. Dennoch muss ich zugeben das ich nun beim schreiben doch noch Haare auf den Zähnen bekomme. Auch wenn ich nie einer dieser "Antideutschen" unter den Autonomen war und sie immer für ne pubertäre Übertreibung des Antifaschismus in Deutschland gehalten habe, bin ich doch nie besonders stolz auf mein Land gewesen. Mich in schwarz rot gold zu schmücken wäre mir nie in den Sinn gekommen und tut es auch jetzt noch nicht.
Bevor es hier jetzt ausartet mit Grundlagn über Nationalstolz und mein blog noch in den falschen links auftaucht... Es ist einfach ein merkwürdiges gefühl auf Deutsche Kulturgemeinschaften im Ausland zu stossen.
Um das mal zu erklären, es ist gewöhnlich niemand dabei der tatsächlich aus Deutschland kommt. Sie stammen von Deutschen Auswanderern ab, die irgendwann vor, während oder nach dem zweiten Weltkrieg hierher kamen. Worauf man wohl am meisten stösst, sind die sogenannten Wolgadeutschen (oder deren Nachfahren). Da die meisten der Vorfahren Deutschland das letzte mal zwischen 18xx und 1938 gesehen haben, ist es auch eine Mischung dieser Epoche, die die Deutsche Kultur hier färbt. Nun schreit hier keiner mehr nach Kaiser oder Führer, es ist zum Glück gänzlich unpolitisch. Allerdings macht sich der kulturelle Unterschied zwischen ihnen (Hüter der Kultur des frühen 20. Jahrhunderts) und mir ("Pottkind" zwischen Thyssen Stahl und Hausbesetzerszene) doch ganz ordentlich bemerkbar.
Es ist einfach so, dass sie sehr bemüht sind, die Kultur die sie kennen aufrecht zu erhalten und zu pflegen. Keiner behauptet, dass sie noch zur heutigen Kultur in Deutschland passt. Ich hatte es auch nicht erwartet. Dennoch war ich nicht zu beglückt mit Musik und Tanz. Überwiegend Polka!!! Sie haben diesen Tanzworkshop, so trat eine Gruppe auf und bot "Volkstümliche" Tänze. Das Einstudierte haben sie richtig gut hinbekommen, gefallen hat es mir nun nicht aber technisch wunderbar! Alles in allem sah es schwer nach Schwarzwald ohne Kuckucksuhren aus. Irgendwie mussten sie sich auf einen Stil einigen und ich bin schon verdammt glücklich nicht eine Lederhose gesehen zu haben.
Wer mich kennt, dürfte sich vorstellen können wie verloren ich mich fühlte. Unglaubliche Situation! Nun war man allerdings so nett zu mir und bot mir auch alle mögliche Hilfe an, dass ich gerne Kontakt behalten würde. Eines habe ich mir aber geschworen, nie wieder werde ich bei Tee-, Kuchen- oder Tanzveranstaltungen auftauchen.
¡Ni en pedo! ... Nicht mal besoffen!
Wer jetzt darüber flucht, dass ich wieder keine Bilder gemacht habe... ich wollte nicht und ich konnte nicht!!! Um euch aber einen Einblick geben zu können verlinke ich mal die Seite der "Germanos de la Comarca". Die Bilder sind vom Jährlichen Fest der Einwanderer. Ist wohl eine Parade inbegriffen, ich war noch nicht dabei. Ganz unten gibt es links zu anderen Fotoseiten.




