De Alta Gracia a la Habana
Montag, 15. September 2008Durch einen längeren Aufenthalt in einer Stadt, bekommt man irgendwann auch die Veranstaltungstermine der Einheimischen ab. Nun meine ich damit nicht den wöchentlichen Regentanz des Schamanen; es sind vielmehr Konzerte zum "Bob Marley Day" oder auch mal Buchvorstellungen, wie zum Beispiel jene hier...
Durch einen Zufall, einer Laune und einer Bekanntschaft von Javier bekamen wir Gelegenheit bei der Veranstaltung "De Alta Gracia a la Habana" dabei zu sein. Die Buchvorstellung von Alberto Granado und Carlos "Calica" Ferrer, Jugendfreunden von Ernesto "Che" Guevara!
Alberto Granado ist soweit aus Buch und Film "Motorcycle Diaries" bekannt. Er ist ein alter Jugendfreund und Studienkollege von Ernesto "Che" Guevara, der "Che" auf seiner Reise durch Südamerika begleitet hat. Nun, mit 86 Jahren, veröffentlichte er sein eigenes Buch zu der Geschichte, in dem er seine Sicht der Dinge festgehalten hat.
Carlos "Calica" Ferrer ist weniger bekannt aber nicht weniger wichtig im Leben des Revolutionärs Guevara. Calica Ferrer ist ebenfalls ein alter Jugendfreund aus den frühen Jahren in Alta Gracia, wo beide lebten. Guevara brach 1953 mit ihm zu einer zweiten Reise durch Südamerika auf. Sie bereisten gemeinsam Bolivien, Peru und Ecuador. Heute lebt Ferrer mit seiner Familie in Buenos Aires und widmet sich der Erforschung der Person Che Guevara. Dabei brachte er das Buch "De Ernesto al Che" heraus. Im deutschen bekannt als "Mein Freund Ernesto" und beschreibt darin die Verwandlung des jungen Mediziners Ernesto zum Revulutionär "Che" Guevara
Nun wussten wir also von der Veranstaltung. Als alter "Che"-Anhänger wollte ich mir das nicht entgehen lassen und schloss mich Javier, Sandra und Daniel an. Wie es sich für mein Glück gehört, hatte Javier natürlich einen Freund hinter der Bühne, wodurch wir nicht lange in der Schlange stehen mußten. Es gibt immer noch eine andere Tür! In der ersten Reihe angekommen, zückte ich auch schon meine Kamera. Davon beeindruckt erklärte Gustavo, Javiers Freund, jedem der mich verscheuchen wollte, daß ich für ein deutsches Motorradmagazin arbeite Ich weiß nicht ob er es wirklich getan hat, aber niemand hat mich "belästigt".
Dreist wie ich nunmal bin, gesellte ich mich nach einigen Minuten auch schon zu dem Profifotografen (der einfach nur das größere "Ding" hatte) auf und hinter der Bühne. So bekam ich endlich mal wieder Gelegenheit mich richtig auszutoben. Wenn man in Deutschland mit ner "einfachen" 400D mit Batteriegriff und mittelgroßem Objektiv schon auffällt, so wird man vom Publikum in Argentinien automatisch zur Elite gezählt!
Von den Geschichten auf der Bühne bekam ich, dank meinen Spanischkenntnissen und der Geschwindigkeit, nicht zu viel mit, konnte aber genügend aufschnappen um auch den Teil zu genießen. Es wurde natürlich einiges aus den beiden Büchern berichtet, dazu gab es noch Bilder auf der Leinwand und einige Geschichten zur Entstehung der Bücher. Natürlich blieben auch Geschichten über "Che" nicht aus, Geschichten aus der gemeinsamen Jugend.
Die Geschichte wie sich Ernesto und Carlos das erste mal trafen... Ernesto und seine Gang wollten ihn "aufmischen", sie lernten sich aber doch besser kennen und lernten sich gegenseitig zu schätzen. Alberto, wenn er nicht gerade auf der Bühne einschlief, gab noch einige Geschichten aus der Kindheit und dem Wiedersehen auf Kuba zum besten. Der Sekretär des Industrieministers Guevara des unabhängigen Kuba, wollte Alberto partout nicht passieren lassen. Er hatte seine Befehle. Nachdem Alberto aber etwas lauter wurde, tauchte Ernesto auf, sah ihn und stutzte seinen eigenen Sekretär zurecht. Der arme Kerl befolgte nur seine Befehle, konnte aber nicht mit dem Auftauchen eines so alten Freundes rechnen.
Gustavo, dem wir den schnellen Eintritt und die Guten Plätze zu verdanken hatten, ist übrigens Motorradmechaniker in Buenos Aires und war verantwortlicher Mechaniker für die Motorräder in der Verfilmung zu "The Motorcycle Diaries". Er selber besitzt noch eine der Nortons, die auch auf der Bühne ausgestellt war, ein genauer Nachbau der Maschine, die Ernesto und Alberto mehr als erfolgreich zerstört hatten. Auch von ihm erfuhren wir so einige Geschichten über die Motorräder und die Verfilmung, er war zum Beispiel damit beauftragt die Schauspieler mit den Motorrädern vertraut zu machen... ein Schauspiel für sich!
Die gesamte Veranstaltung war schon eine wahre Freude, sie wollte kein Ende nehmen. Hinter dem geschlossenen Vorhang gab es noch reichlich Bilder, Unterschriften und Interviews.
Das Ende des Abends bestand für uns aus einer "Rettungsaktion"! Gustavo, der die alte "Norton" nach Hause, in seine Werkstatt fahren wollte, ging nach einigen Blocks das Benzin aus. So rief er Javier an und wir kamen ihm zur Hilfe. Er stand in einer der dunkleren Strassen und erwartete uns und die fünf Liter Benzin um halb elf in der Nacht.
So kamen wir alle mit signierten Büchern, vollem Tank, einigen Photos und mit Pizza gestärkt nach Hause!




