Touristen!
Montag, 15. September 2008Eine der Sehenswürdigkeiten hier in Viedma hatte es uns angetan und hat sich dank der Bilder und der Geschichte an sich doch tatsächlich als eine nette Geschichte herausgestellt.
Eine Geschichte nicht nur über ein altes und einzigartiges Bauwerk, es ist auch ein witziges Beispiel für die Möglichkeiten und Vorteile "touristischer Dreistigkeit".
Ein kleines Stück Eisenbahnromantik steht hier in der Gegend herum. Neben den alten verlassenen Gleisen der Patagonischen Eisenbahn, die es zumindest in dieser alten Form nicht mehr gibt, steht hier noch die "Puente viejo", die alte Eisenbahnbrücke. Sie ist noch gut genug um Fussgängern und Autos über den Rio Negro zu helfen, Züge hat sie allerdings schon länger nicht mehr gesehen. Ich glaube das ist auch gut so.
Das besondere an dieser Brücke ist die "einzigartige" (?) Hebekonstruktion. Diese wurde für die Schiffe benötigt die den Seehafen in Carmen de Patagones passieren mussten. Den Seehafen gibt es übrigens auch nicht mehr. Um die Durchfahrt für die Schiffe zu ermöglichen, wurde eine Hälfte der Fahrbahn angehoben. Das geschah über eine Gelenkkonstruktion und ein Gegengewicht, einen Tank der bei Bedarf mit Wasser vollgepumpt wurde. Abgesehen vom Wasser und der Hebelei erinnert es stark an einen Aufzug.
Gut... was ist daran nun witzig??
Angespornt von Daniels Ausflug am Vortag fuhren wir an der Brücke vorbei und organisierten für uns selbst eine Besichtigung im Maschinenhaus, oben auf der Brücke. Erinnerte doch mächtig an alte Industriebrachen, die man so in der guten alten Heimat im Ruhrgebiet zu sehen bekommt. Abgesehen davon ist so ein altes mechanisches Irgendwas auch einfach ein toller Spielplatz... wenn man eine Kamera in der Hand hat, um so besser!
Nun kletterten wir da oben zwischen den Überresten des Maschinenhauses herum und hatten hier und da auch einen wunderbaren Ausblick durch das was mal der Boden war. Keine Frage, in Deutschland wäre das Teil weiträumig abgesperrt und man hätte alle Zäune mit den ach so bekannten Warnschildern versehen, nicht hier! Nach einer halben Stunde kamen dann aber doch zwei Motorradpolizisten vorbei und wollten uns dort herunter holen.
Auf dem Weg nach unten gab es die gut gemeinte Anmerkung an Marisol: "Du sprichst kein Spanisch!" Die Polizisten wiesen uns prompt darauf hin, daß die Brücke einzigartig sei und daher geschützt ist... die Sache mit der Gefahr liessen sie dabei aus, interessierte nicht. Die Reaktion von Daniel (drei Jahre Argentinien) und mir (ein Jahr im Land): "Wir sind Touristen, verstehen nicht so gut Spanisch und wollten nur mal gucken." - na dann sei ja alles in Ordnung, aber geht nicht wieder da rauf.
Als wir dann noch anfingen davon zu erzählen, daß wir auch Motorradfahrer sind kamen wir glücklicherweise noch zu einem richtig freundlichen Abschied und ein paar Photos. Die Tatsache, daß ich einem der beiden einige Tage später wieder über den Weg gelaufen bin, macht mir keine Magenschmerzen. Eines Tages wird er mich wohl fragen was für ein Tourist ich denn bin!




